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Traum Nr. 70 Julia Buitschkova und Joern Boerner. Fotoobjekte
Ausstellung 22.04 —
17.05.2005
Architekturmuseum A. W. Schtschussev
Wosdwischenka Strasse 5
119019 Moskau
Vernissage 22.04.2005 18.00 Uhr
22.04 — 17.05.2005

Traum Nr. 70
Julia Buitschkova und Joern Boerner. Fotoobjekte
Moskau ist eine jener Weltmetropolen, die sich in den letzten Jahren
am schnellsten und tiefgreifendsten entwickelt und verändert. Vor
allem die Architektur reflektiert und kommentiert diese
Veränderungen.
Neue Architektur entsteht, die das sowjetisch-geprägte Moskau ins
Abseits abdriften lässt. Doch eben jene, von Chruschtschow und
Breschnew geprägte Architektur, erzählt vom Leben und der
Gesellschaft in den 60er, 70er und 80er Jahren, von Traum und
Realität. Sowjetarchitektur vertrat eine Ideologie, die alles bis
ins letzte Element durchdrang, repräsentierte Fortschritt, sollte
Allmacht und Größe der UdSSR verbildlichen.
Ambitionierte Bauprojekte, Prestigeobjekte der damaligen Zeit rücken
heute mehr und mehr in den Hintergrund. Ihre ehemalige (ideele)
Bedeutung verwischt, wie auch der Kontext in den sie gebaut wurden,
zunehmend in Vergessenheit gerät. Diese ehemaligen Gebäudekontexte
reaktivieren, die Bauwerke auf eine neue Wahrnehmungsebene heben und
ihnen auch im heutigen Moskau wieder Luft zum Atmen geben, ist Ziel
dieser Ausstellung.
Durch Reduzierung auf den Schwarz-Weiß-Kontrast werden die
dargestellten Gebäude von ihrem alltäglichen Kontext befreit und
scheinen losgelöst von ihrer tatsächlichen Umgebung ohne jegliche
Verankerung immateriell und leicht, fast schwebend. Auf weißem Grund,
im minimalistischen Spiel von Licht und Schatten, werden sie auf
ihre markanten Formen — skulpturale Fassadenausschnitte und
Gesamtstrukturen — reduziert und konzentriert. Auf einprägsame Weise
berichten diese Gebäudeformen von einer Formfreiheit und Kreativität,
die in den 60er, 70er und 80er Jahre große architektonische
Leistungen in der UdSSR entstehen ließ.
Die Farbe weiß referiert aber zugleich zu einem weiteren Aspekt: Die
Gebäude werden mit dem Hauch des göttlich-reinen versehen, erhalten
somit eine Idealisierung und führen den Betrachter zurück in die
Zeit ihrer Entstehung, als sie zum Zeichen einer Idealvorstellung
erbaut wurden. Diese stilisierte Nähe zum Göttlichen ist Illusion
und Realität zugleich. Ein kritischer Blick wird auf die
architektonischen Leistungen dieser 30jährigen Epoche geworfen.
Davon ausgehend soll nicht nur eine neuerliche Auseinandersetzung
mit dem Einzelgebäude und den städtebaulichen Ideen der Sowjetzeit,
sondern zugleich auch eine Diskussion heutiger
Architekturentwicklungen in Moskau angeregt werden.
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