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Moscow  —  Berlin. 1950—2000. Architecture

20. Dezember 2004 — 20. Januar 2005
Die Enfilade des Hauptgebäudes

Zu den unbestreitbaren Qualitäten der Ausstellung »Moskau — Paris«, die 1981 vom Staatlichen Puschkin Museum der bildenden Künste konzipiert und organisiert worden war, gehörte ihre wahrhaftig enzyklopädische Bandbreite. Die kulturellen Verflechtungen zwischen Russland und einem der wichtigsten Zentren europäischer Kultur wurden in ihrem gesamten Umfang durchleuchtet. Das Resultat der enormen Arbeit beim Vorbereiten dieser Ausstellung und ihres einmaligen Katalogs war bahnbrechend und überwältigend, so dass man dieses Konzept als Ausgangspunkt für alle weiteren vergleichbaren Projekte hätte benutzen können. Doch die Idee von der grundlegenden kulturellen Einheit Europas, die die Ausstellung so überzeugend belegte, war den sowjetischen Ideologiebonzen doch so ungeheuer, dass das nächste Projekt in diesem Format erst 15 Jahre später, also nach der Perestrojka zustande kommen konnte.

1996 fand die sorgfältig vorbereitete Ausstellung »Moskau — Berlin. 1900—1950« statt, die ebenfalls zu einem Meilenstein in der jüngsten Kulturgeschichte wurde und die vom Staat geförderte Tradition monumentaler enzyklopädischer Ausstellungen fortsetzte. Darauf folgten weitere, gleichwohl weniger umfassende Projekte über die Verbindungen zu Italien, Norwegen, Polen und anderen Ländern. In diesem Jahr wurde das Thema Deutschland mit »Moskau — Berlin. 1950—2000« weitergeführt. Allerdings war die »Deutsche Ausstellung, Teil II« von ihrem Umfang her etwas reduzierter. Die großartige Ausstellung im Staatlichen Historischen Museum widmete sich vor allem der bildenden Kunst, die mit beispielloser Akribie von den Kuratoren analysiert und vorgestellt war. Das Thema Architektur fand allerdings nur in einem der Katalogartikel seinen Niederschlag und war angesichts seiner von der Öffentlichkeit beider Metropolen lebhaft diskutierten Aktualität eindeutig vernachlässigt. Das Staatliche A. V. Schtschussev Architekturmuseum ist mit dem Vorschlag hervorgetreten, diese »Hauptausstellung« um einen weiteren Schwerpunkt zu ergänzen, der sich eigens mit der vergleichenden Analyse der Architekturgeschichte von Moskau und Berlin in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beschäftigen sollte. Zum Glück wurde diese Idee von der russischen Regierung unterstützt und es konnten aufschlussreiche Untersuchungen in vergleichsweise kurzer Zeit realisiert werden. Der vorliegende Katalog zeigt die Arbeit der Kuratoren, die sich zusammengetan haben, um eine schlüssige Vorstellung von jenen Architekturen zu geben, die den Lebensraum der Bewohner dieser beiden Städte bestimmten, einst hoffnungslos durch Sperren und politische Barrieren getrennt und heute so eng miteinander verwoben, dass man neuerdings gern von Menschen »mit doppeltem Wohnsitz« spricht. Natürlich gehörten dieser Kuratorengruppe neben dem Autor dieser Zeilen mehrere Fachleute an. Darunter der Berliner Architekt und Journalist Philipp Meuser, Kurator zahlreicher deutscher Ausstellungen in Russland, ein großer Freund unseres Museums und Autor ungewöhnlicher Bücher über die Architektur in den GUS-Ländern. Die »deutsche Fraktion« wurde durch Sergej Tschoban gestärkt, einen Kurator und aktiven Berliner Architekten, einen von den »städteübergreifend« lebenden Menschen, der jede Woche zwischen Berlin und Moskau pendelt, Häuser baut und Ausstellungen organisiert, wie etwa die zurzeit im Nebengebäude unseres Museums zu sehende Ausstellung »Die Archäologie Moskaus«, die zahlreiche Raritäten aus den Resten der nicht realisierten »Architekturträume« präsentiert. Den russischen Part übernahmen standhafte Individualisten — Kuratoren und Kunstkritiker Jelena Gonsales, Grigorij Revsin und Nikolaj Malinin. Sie kennt man vor allem durch ihre geistreichen, provokativen und extravaganten Urteile, die bei einem eventuellen Gedankenstau schnell und zuverlässig Abhilfe leisten. Der Zusammenschluss solcher starken Positionen in einem Kuratorenteam dürfte zu einem ausgeglichenen und schlüssigen Resultat führen, was, so meine Hoffnung, die Ausstellung »Moskau — Berlin. 1950—2000. Architektur« belegen wird.  

David Sarkisjan

 

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Phones: +7-495-691-21-09, +7-495-690-05-51

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